Arbeitsscheu (2)

EXKLUSIVER TEILABDRUCK --- BELLA : In die Vorstadt ziehen? Cora, du machst mir Angst!   CORA : Hier reicht sein Geld nun wirklich f...

EXKLUSIVER TEILABDRUCK ---


BELLA:
In die Vorstadt ziehen? Cora, du machst mir Angst!
 
CORA:
Hier reicht sein Geld nun wirklich für nichts Gescheites, wie du siehst.

BELLA:
Aber muss es denn gleich die Vorstadt sein? Denk doch nur an Mari, Julia und Claudia! Die sitzen jetzt mit ihren Kindern in der Vorstadt fest und ihr Leben besteht nur noch aus Kinderkrabbelgruppen und Kaffeekränzchen mit ähnlich gelangweilten Frauen, die allesamt mit dem örtlichen Tennislehrer schlafen wollen.

CORA
Ich weiß. Aber was bleibt mir denn noch übrig? Immerhin werde ich dann versorgt.

BELLA
Jetzt bist du aber ganz schön naiv. Hast du Barbara schon vergessen? Die hat sich auch in der Vorstadt häuslich eingerichtet und dann, mit Mitte 50, wird der Mann plötzlich arbeitslos und findet keinen neuen Job! Die Arme war gezwungen, Kosmetikprodukte zu verkaufen! Und dafür hat sie ihm 25 Jahre lang den Rücken freigehalten!

CORA
Immerhin hat sie noch den Absprung geschafft und ihn schließlich verlassen. Nachdem das Haus verkauft wurde, konnte sie ja wieder auf einem erträglichen Niveau leben.

BELLA (erbost)
Erträgliches Niveau? Das ist ja wohl nicht dein ernst! Eine Mietswohnung hat sie bezogen mit ihrem italienischen Liebhaber! Mit Mitte 50 bekommt man eben nichts Gescheites mehr ab. Präg dir das lieber ganz genau ein, bevor du etwas als "erträglich" bezeichnest.

Schweigen. Cora beginnt zu weinen.

CORA
Ich will mit Mitte 50 aber nicht mit einem Italiener in einer Mietswohnung leben!

Bella nimmt sie in den Arm und fängt auch an zu weinen.

BELLA
Ich werde nie einen Arzt abbekommen!

Die beiden liegen sich in den Armen und weinen bitterlich. Die Tür wird geöffnet und Ben betritt mit einem großen Blumenstrauß das Zimmer.

BEN
Was ist denn hier los?

Die beiden Frauen schrecken hoch.

CORA
Was machst du denn hier?

BEN
Was ist denn passiert? Ich war mir sicher, dass beim heutigen Vorstellungstermin alles klappt. Du hattest doch schon so von der Firma geschwärmt!

CORA
Ja... Es sollte eben nicht sein.

Ben schaut auf seine Uhr.

BEN
Moment. Du kannst ja noch gar nicht dort gewesen sein.
(Er wird wütend)
Das kann ja wohl nicht wahr sein!  

CORA
Ben, ich kann dir alles erklären...

BEN
So eine Unverschämtheit!

BELLA
Es ist nicht so, wie es aussieht!

BEN
Doch Bella, es ist genauso wie es aussieht und das wird Konsequenzen haben!

CORA
Ben, bitte!

BEN
Nein, Schatz, ich lasse nicht zu, dass man dich so behandelt! Erst laden sie dich zum
Vorstellungsgespräch ein und dann sagen sie dir kurzfristig telefonisch ab! Das ist ja wohl das Allerletzte!


Er nimmt die verdutzte Cora in den Arm.

BELLA
Wow, das ist gut. Besser hätte ich's auch nicht formulieren können.

BEN
Und du bist ihr so eine gute Freundin, dass du in aller Frühe aus dem Bett springst, um sie zu trösten. Das werde ich dir nicht vergessen.
(Er umarmt auch Bella)
Hier Schatz, deine Blumen! Ich wollte dich nach deinem Vorstellungsgespräch damit überraschen!

CORA
Musst du denn nicht ins Büro?

BEN
Ich fange heute später an. Das habe ich dir verschwiegen, sonst wären die Blumen ja keine
Überraschung gewesen.


CORA
Das ist in der Tat eine Überraschung.
  
BEN
Schatz, sei mir nicht böse wegen der kleinen Flunkerei! Ich weiß, wir sagen uns immer die
Wahrheit, darauf basiert ja schließlich unsere Beziehung.


BELLA
Echt jetzt?

CORA
Aber natürlich! Auf was denn sonst?

BEN
Bella, ich weiß, es ist manchmal ein wenig nervig, uns Verliebten immer
zuzuschauen, gerade wenn man solo ist! Aber ein so herzensguter Mensch wie du wird auch bestimmt die wahre Liebe finden, genau wie wir!


Bella will gerade ansetzen, da geht Cora dazwischen.

CORA
Ja, das wird sie bestimmt! Aber wir wollen ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen, mir
geht es ja auch wieder gut.


BELLA
Ach, ich glaube, das könnte hier noch lustig werden.

CORA (energisch)
Musst du nicht zur Uni?

BEN
Richtig, was macht eigentlich das lockere Studentenleben? In der richtigen Arbeitswelt ist
es momentan verdammt hart. Ich sehe ja an Cora, wie schwer es ist, selbst mit den besten Noten eine gute Stelle zu finden. Deshalb mein Rat an dich: Bei der momentanen Lage auf dem Arbeitsmarkt lass es ruhig angehen und gönn dir noch ein wenig Zeit mit deinen Müsli-Freunden in der Mensa.


BELLA
Was denn bitte für Müsli-Freunde?  

CORA
Ben, ich glaube wir halten Bella nur unnötig auf...

BEN
Versteh das bitte nicht falsch, aber Cora hat mir davon erzählt, dass du noch immer gerne auf Studentenparties gehst und mit wem du so ausgehst. Das ist bestimmt auch richtig spaßig, aber das bringt dich nicht voran.

BELLA
Was bringt mich nicht voran?

CORA
Hey Leute, es ist so früh am Morgen, wie wär's, wenn wir zusammen frühstücken gehen?! Was meinst du Bella?

BELLA Ich meine, dass du einen sehr modischen Pyjama für ein Vorstellungsgespräch trägst.

CORA
Also Ben, was meinst du damit, Bella käme nicht voran?

BEN
Unangenehmes Thema, ich weiß. Aber wir haben da schon so oft drüber gesprochen, Cora und ich.

BELLA
Ach? Habt ihr das?

CORA
Also, so oft auch wieder nicht und das ist ja auch schon eine Ewigkeit her!

BEN
Ich glaube, da verwechselst du etwas, Schatz. Eigentlich ist es das Thema schlechthin in den
letzten Wochen.


BELLA
Ihr tratscht seit Wochen über mich?

CORA
So ist das ja nun auch nicht!  

BEN
Du hast recht, Schatz, wir wollen bei der Wahrheit bleiben. Eigentlich reden wir über dich,
seit wir uns kennen.


CORA
Aber nur, weil wir dich so mögen!

BEN
Natürlich! Gerade Cora macht sich als deine beste Freundin wahnsinnige Gedanken über deinen Umgang mit Männern.

BELLA
Das machen beste Freundinnen also? Das ist ja nett.

BEN
Das sehe ich genauso! Wisst ihr was? Ich rufe schnell im Büro an und mache heute frei! Dann können wir endlich mal zu dritt über deine Probleme reden, Bella. Ich gehe nur schnell telefonieren.

Ben geht in den Nebenraum. Bella stürzt zur Ausgangstür. Cora läuft ihr hinterher und hält sie fest.
 


Fortsetzung folgt.

Alle bislang veröffentlichten Teile von Arbeitsscheu finden Sie hier.

Der Eingang zum Treppenhaus?

Bild: Karpati Gabor - morguefile.com

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