Kassenpatient belästigt Privatarzt

PRAXIS-PARKETT DURCH BLUTFLECKE STARK VERSCHMUTZT --- Jaquelline Kaiserhorst ist noch immer traumatisiert: "Er stand plötzlich ohn...

PRAXIS-PARKETT DURCH BLUTFLECKE STARK VERSCHMUTZT ---

Jaquelline Kaiserhorst ist noch immer traumatisiert: "Er stand plötzlich ohne Termin im Wartezimmer und hat alles vollgeblutet. Der ganze Boden ist ruiniert!" Die Medizinische Fachangestellte (MFA) war gerade dabei, die Kissen der beiden Sessel im Wartebereich aufzuschütteln, als gegen 16 Uhr Kassenpatient Anton L. die Privatpraxis von Dr. Hans Aschemacher betrat. Kaiserhorsts Kollegin Nadine Pfeiffenhof hatte ihm versehentlich die Tür geöffnet: "Ich hatte einen Blackout. Es tut mir so leid, aber bei drei Terminen am Nachmittag, kann ich nicht immer an alles denken."
Anton L. hat aus seinem Fehler gelernt.
"Monetäre Besonderheiten"

Dr. Aschemacher starrt mit versteinerter Miene auf das Mahagoni-Parkett, das von drei Angestellten des eilig herbeigerufenen Reinigungsdienstes behandelt wird. Der Mediziner ist sichtlich wütend, nicht nur wegen der "Dreistigkeit des Kassenpatienten": "Was lernen die eigentlich heutzutage in der Berufsschule? Ich habe Frau Pfeiffenhof im Sommer nach ihrer Ausbildung übernommen. Offensichtlich wurde sie nicht umfassend genug auf die finanziellen Gefahren durch Kassenpatienten hingewiesen. Das ist indiskutabel!"

Auf Anfrage des Tagblatts weist Berufsschulleiter Knut Richer die Anschuldigungen zurück. Die monetären Besonderheiten seien selbstverständlich umfassender Bestandteil der MFA-Ausbildung. Im praktischen Teil der Abschlussprüfungen werde die telefonische Nichtvergabe von Terminen an Kassenpatienten "eisern kontrolliert". Dass ein Mitglied dieser "Risikogruppe" plötzlich eine Privatpraxis betrete, sei jedoch ein "ungewöhnlich krasses Einzelverhalten", vor dem man sich nicht vollständig schützen könne: "Ein Restrisiko bleibt immer." Er wünsche sich daher schon länger eine Aktualisierung des Lehrplans, "um in Rollenspielen das richtige Verhalten in Extremsituationen zu üben", so der Schulleiter.

"Kennen unseren Platz im Gesundheitssystem"

Axel Schmidt von der Lobbygruppe Pro Kassenpatient e.V. verurteilt das Verhalten von Anton L. scharf: "Das wirft uns in der Außendarstellung um Jahre zurück. In der Regel sind wir demütig genug, unseren Platz im Gesundheitssystem zu kennen und einzunehmen. Ich versichere Ihnen: Er war Einzeltäter. Die Mehrheit von uns kommt nicht einmal in die Nähe von Privatpraxen." Was Schmidt besonders ärgert, ist die Tatsache, dass bei der explodierten Gasleitung vor dem Privat-Ärztehaus über 30 Kassenpatienten zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden und sich alle bis auf Anton L. "absolut korrekt" verhalten hatten. "Zum Glück wurde Herr L. schnell von den Rettungssanitätern entdeckt, bevor er noch mehr Schaden anrichten konnte. Für die Parkettreinigung kommen wir selbstverständlich auf, das ist Ehrensache."

Anton L. ist für das Tagblatt nicht zu sprechen. Über seinen Anwalt lässt er ausrichten, es tue ihm leid und er habe aus seinem Fehler gelernt. - Zu spät für Dr. Aschemacher und seine Medizinischen Fachangestellten, die diesen Tag ihr Leben lang nicht vergessen werden.

(rip) - PRIVAT-ÄRZTEHAUS ZUM BARMHERZIGEN SAMARITER
Bild: sideshowmom - morguefile.com

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