Superschurken vor Insolvenz

PRINZESSINNEN BOYKOTTIEREN ETABLIERTES GESCHÄFTSMODELL --- Der ortsansässige Internationale Superschurkenverband steht vor dem finanziell...

PRINZESSINNEN BOYKOTTIEREN ETABLIERTES GESCHÄFTSMODELL ---

Der ortsansässige Internationale Superschurkenverband steht vor dem finanziellen Aus. Verbandspräsident Dr. Boson erklärte auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz, man werde auch im Falle einer Insolvenz weiterhin "in verlässlicher Qualität" tätig sein, allerdings könne es beim Einsatz der kostenintensiven Superwaffen zu Einschränkungen kommen. Zurzeit werde mit einem Wirtschaftsprüfer die Gesamtsituation analysiert, die Lage sei nach ersten Einschätzungen "nicht hoffnungslos".

Anspruchsvolles Geschäft: Prinzessinnen

Wandel des Kerngeschäfts


Als Gründe für die finanzielle Schieflage nannte Dr. Boson unter anderem die gestiegenen Energiekosten, die beispielsweise die Einsätze des Mega-Lasers und des fliegenden Schlosses unmöglich machten. Das Hauptproblem sei allerdings der schleichende Wandel im Kerngeschäft des Verbands, den man "möglicherweise zu lange ignoriert" habe, wie der Präsident selbstkritisch einräumte. Die Umsatzrendite bei Prinzessinnen-Entführungen sei so starkt eingebrochen, dass sogar die Fortführung dieses Geschäftszweigs infrage gestellt werde. 

Kalte Verliese unzumutbar

"Früher gaben sich die Prinzessinnen mit einer kargen Zelle zufrieden, heutzutage machen sie uns die Hölle heiß, wenn der Champagner im Penthouse die falsche Temperatur hat oder das zur Verfügung gestellte Pferd die falsche Farbe. Dann wird so lange genörgelt, bis wir sie freiwillig zurückbringen. Unsere Arbeit wird regelrecht boykottiert", brachte es Dr. Boson auf den Punkt: "An die Kosten denkt dabei natürlich niemand." Natürlich sei es auch wenig hilfreich, dass die Befreiungsquote bei 92 Prozent liege, viel ärgerlicher seien aber die restlichen 8 Prozent: "Hierbei handelt es sich um C-Prominente, die von Adeligen adoptiert wurden. Zu unserem Bedauern ist die Bereitschaft für Lösegeldzahlungen gleich null. Sie werden nicht einmal kostenneutral zurückgenommen und wohnen jetzt bei uns - bei freier Kost und Logis!"

Weltherrschaft vorerst verschoben

Problematisch sei auch die zunehmende Respektlosigkeit der jungen Adeligen. Gerade die älteren Verbandsmitglieder würden zunehmend wegen ihrer Superschurkenkostüme ausgelacht. "Das ist Mobbing. Unser lieber Freund Professor Megabrain leidet seit seiner missglückten Zwillingsentführung noch immer an Burn-Out", erklärte Dr. Boson: "Da muss man sich nicht wundern, dass wir mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben. Unter diesen Voraussetzungen haben wir beschlossen, die angestrebte Weltherrschaft vorerst zu verschieben."

Kursverluste der Superhelden AG

Die Krise des Superschurkenverbands hat bereits Auswirkungen auf andere Branchen. An der Börse verlor die Aktie der Superhelden AG dramatische 24 Prozent, der Handel wurde kurzzeitig ausgesetzt. Pressesprecher Sonny Sunshine gab sich dennoch auf Nachfrage des Tagblatts optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass der Superschurkenverband seine strukturellen Probleme lösen wird. Die aktuelle Schieflage bietet ihnen die Möglichkeit, sich von dem antiquierten Geschäftsmodell der Prinzessinnen-Entführungen zu trennen. Ich sage ausdrücklich nicht, sie sollten die weltweiten Atomsprengköpfe im Auge behalten, aber dort gibt es noch erhebliches Erpressungspotenzial."


(lsd) - UNTERIRDISCHE GEHEIMBASIS HINTER DEM BETONDENKMAL
Bild: Chance Agrella - freerangestock.com

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