Synergieeffekte mit Soße

DÖNERPARADIES DREHT IMAGEFILM MIT MEGAMARKETING AG --- "Mehr Begeisterung! Ich will es in deinen Augen sehen! Alles von vorne!"...

DÖNERPARADIES DREHT IMAGEFILM MIT MEGAMARKETING AG ---

"Mehr Begeisterung! Ich will es in deinen Augen sehen! Alles von vorne!" Kurt Müller wirkt leicht gereizt, sagt aber nichts. Er beginnt erneut damit, ein warmes Fladenbrot mit Fleisch, Salat und Soße zu befüllen und reicht es an eine Kundin, die von Denise Stein gespielt wird. Doch auch diesmal ist Regisseur Lutz von Landkind unzufrieden: "Wo zum Henker ist dein Problem, Denise? Wo sind deine Emotionen?" "Ich bin Vegetarierin!" "Du bist gefeuert! Bringt mir sofort die Ersatzkundin." Das Wachpersonal führt Stein weinend ab, auf der anderen Straßenseite werden die jonglierenden Elefanten für ihre spätere Szene vorbereitet. Probleme gibt es bei drei der insgesamt 15 Hubschrauber, da sie in der falschen Farbe geliefert wurden. Insgesamt laufe aber alles nach Plan, so eine Produktionsassistentin. 10 Minuten Drehpause. Ich nutze die Zeit, um mit dem erfahrenen Regisseur der MEGAMARKETING AG ein Kurzinterview zu führen.

Geschmackvolle Kernkompetenz: Hähnchenstreifen mit Salat, Brot und Soße.

Die Königsdisziplin der Werbung

DAS TAGBLATT: Herr von Landkind, als knallharter Journalist frage ich Sie ganz direkt: Wozu braucht das Dönerparadies einen Imagefilm?

Lutz von Landkind: Von welcher Zeitung sind Sie?

DAS TAGBLATT: Ich bin vom Tagblatt.

Lutz von Landkind: Euch gibt's noch? Ihr seid doch pleite gegangen.
 
DAS TAGBLATT: Das war die antiquierte Printausgabe, mit der wir juristisch nichts zu tun haben.


Lutz von Landkind: Klingt ein wenig spitzfindig.
 
DAS TAGBLATT: Nein, klingt es nicht. Weichen Sie meiner Frage aus?

Lutz von Landkind: Ich verstehe die Frage nicht. Wer nicht wirbt, der stirbt. Lernt man das nicht in der Journalisten-Ausbildung?
 
DAS TAGBLATT: Naja, also eigentlich bin ich Mathematiker...


Lutz von Landkind: Verstehe. Und was machen Sie dann bei so einer... egal. Ok, dann erkläre ich Ihnen wie das mit dem Imagefilm läuft. Dabei handelt es sich nämlich um die Königsdisziplin der Werbung!
 
DAS TAGBLATT: Ach?


Lutz von Landkind: In keiner anderen Form der Werbung können wir dem Konsumsubjekt so viele Botschaften subtil vermitteln, wie in einem Imagefilm.
 
DAS TAGBLATT: Botschaften? Herr Müller verkauft Döner.

 
Lutz von Landkind: Haben Sie nicht zugesehen? Herr Müller packt den Döner leidenschaftlich und kundenorientiert in Alufolie! Damit demonstriert er nachhaltig seine Kernkompetenz: Hähnchenstreifen mit Salat, Brot und Soße.
 
DAS TAGBLATT: Machen das nicht alle Döner-Läden so?


Lutz von Landkind: Das ist doch nicht der Punkt! Es geht hierbei nicht um Mitbewerber, sondern um Herrn Müllers ganzheitliches Konzept. Er bringt zuverlässig Leistung, die täglich durch individuelle Qualitätskontrollen bestätigt wird.
 
DAS TAGBLATT: Er isst also jeden Tag seinen eigenen Döner.


Lutz von Landkind: Genau! Mehr kann man ja nun wirklich nicht verlangen. Sehen Sie: Der Imagefilm soll allen Firmen dort draußen zeigen, dass auch ihre Botschaften ganz einfach vermittelt werden können.
In diesem Zusammenhang spielen auch die Synergieeffekte eine wichtige Rolle.
 
DAS TAGBLATT: Welche denn?


Lutz von Landkind: Sorry, aber ich kann Ihnen nun wirklich nicht alles erklären, was offensichtlich ist.
 
DAS TAGBLATT: Manche Leute behaupten, der Imagefilm sei eigentlich nur Werbung für die finanziell in Schieflage geratene MEGAMARKETING AG?


Lutz von Landkind: Wer behauptet das? Den verklagen wir sofort!

DAS TAGBLATT: Sie können aber nicht leugnen, dass die fehlenden Einnahmen Ihrer vormals besten Kunden...

Lutz von Landkind: Ich bin Künstler, die Geschäfte interessieren mich nicht.

DAS TAGBLATT: Dennoch ist es - vorsichtig formuliert - sehr großzügig, Herrn Müller den Imagefilm zu schenken.

Lutz von Landkind: Unsere Betriebswirtschaftler helfen gerne anderen Menschen.

DAS TAGBLATT: Ist es Zufall, dass Herr Müller noch vor drei Wochen Creative Director der MEGAMARKTING AG war, bevor er sich mit dem Dönerparadies selbstständig gemacht hat?

Lutz von Landkind: Ja.

DAS TAGBLATT: Merkwürdiger Zufall.

Lutz von Landkind: Nein.

DAS TAGBLATT: Man könnte doch aber annehmen...

Lutz von Landkind: Diese Unterstellungen weise ich zurück! Ich weiß nicht, was Sie sich da zusammenspinnen. Herrn Müllers Küchenhilfe war vorher Autoverkäufer bei Mium, da interpretieren Sie doch auch nichts hinein.

DAS TAGBLATT: Herrn Müllers Küchenhilfe, Dominik von Landkind, ist Ihr Bruder...

Lutz von Landkind: Ich breche das Interview hiermit ab.

Nach wenigen Augenblicken ist Lutz von Landkind verschwunden. Vier stämmige Sicherheitsbeauftragte stellen sicher, dass ich umgehend das Gelände verlasse. Es ist bereits spät, aber das Dönerparadies ist in das gleißende Licht von 87 Flakscheinwerfern getaucht. Dann steigen die Hubschrauber auf und lassen es aus einer Höhe von 50 Metern Döner in Alufolie regnen. Leidenschaftlich und kundenorientiert.


(lsd) - DÖNERPARADIES AUF DEM FILMGELÄNDE DER MEGAMARKETING AG
Bild: ald - morguefile.com

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